Mikroplastik - ein Interview mit Greenpeace

Mikroplastik ist ein allgegenwärtiges Problem für uns und unsere Umwelt. 

Die winzigen Kunststoffpartikel wurden bereits in Gewässern, Böden, Tieren und sogar in entlegenen Gletschern nachgewiesen. Doch was genau ist Mikroplastik? Welche Auswirkungen hat es auf Umwelt und Gesundheit? Und worauf können Konsument:innen im Alltag achten? Darüber haben wir mit Madeleine Drescher von Greenpeace gesprochen.

Was ist Mikroplastik eigentlich und wie gelangt es in die Umwelt?

Madeleine Drescher: Grundsätzlich sind Mikroplastikpartikel kleiner als fünf Millimeter. Daneben gibt es auch Nanoplastik, das noch deutlich kleiner ist. Mikroplastik gelangt auf ganz unterschiedlichen Wegen in die Umwelt. Das können indirekte Eintragswege sein, etwa durch das Waschen synthetischer Kleidung, aber auch direkte Einträge durch Produkte, denen Kunststoffpartikel zugesetzt werden. Der größte Eintragsweg von Mikroplastik ist allerdings ein anderer: Reifenabrieb. Dabei gelangen nicht nur Mikroplastikpartikel in die Umwelt, sondern auch zahlreiche Chemikalien, die in Reifen enthalten sind.

Wie kann Mikroplastik überhaupt nachgewiesen werden?

Madeleine Drescher: Das ist gar nicht so einfach, weil die meisten Mikroplastikpartikel mit freiem Auge nicht sichtbar sind. Für wissenschaftliche Untersuchungen braucht es spezialisierte Labore. Dort müssen sogar Materialien vermieden werden, die selbst Kunststoffpartikel freisetzen könnten, damit die Ergebnisse nicht verfälscht werden.

Das zeigt auch schon, wie allgegenwärtig Mikroplastik mittlerweile ist - es ist praktisch überall vorhanden.

Welche Auswirkungen sieht man bereits heute in der Umwelt?

Madeleine Drescher: Mikroplastik ist inzwischen selbst an Orten nachweisbar, an denen man es nicht erwarten würde. In Österreich wurde beispielsweise Mikroplastik in Gletschern gefunden. Auch in Böden, Flüssen, Seen und bei Tieren wird es regelmäßig nachgewiesen.

Die Partikel sind sehr mobil. Sie verbreiten sich über Luft, Wasser und Böden und können sich dadurch weltweit verteilen. Deshalb findet man Mikroplastik mittlerweile selbst in sehr abgelegenen Regionen.

Welche Auswirkungen hat Mikroplastik auf Mensch und Tier?

Madeleine Drescher: Bei Tieren wissen wir bereits deutlich mehr als beim Menschen. Mikroplastik wird regelmäßig in Organen und Geweben nachgewiesen. Wichtig ist aber auch zu verstehen, dass es oft nicht nur um die Kunststoffpartikel selbst geht.

Kunststoffe enthalten häufig weitere Stoffe wie Weichmacher, Stabilisatoren oder andere Chemikalien. Für einige dieser Chemikalien wurden gesundheitsschädliche Eigenschaften nachgewiesen, darunter mögliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Deshalb beschäftigen sich viele Forschende derzeit nicht nur mit dem Mikroplastik selbst, sondern auch mit den darin enthaltenen Chemikalien.

Gibt es Informationen über gesundheitliche Auswirkungen von Mikroplastik, bei denen man vorsichtig sein sollte?

Madeleine Drescher: Gerade bei Gesundheitsthemen sollte man immer vorsichtig mit absoluten Aussagen sein.

Es gibt bereits Studien, die auf mögliche Zusammenhänge zwischen Mikroplastik und gesundheitlichen Auswirkungen hinweisen, etwa bei Entzündungsreaktionen oder anderen biologischen Prozessen. Gleichzeitig sind viele dieser Forschungsfragen noch nicht abschließend geklärt.

Aus unserer Sicht sollte hier das Vorsorgeprinzip gelten. Nur weil noch nicht jede Wirkung wissenschaftlich vollständig bewiesen ist, bedeutet das nicht, dass kein Risiko besteht. Vor allem bei Kindern sollten mögliche Risiken ernst genommen und weiter erforscht werden.

Die EU reguliert durch die REACH-Verordnung Mikroplastik in unterschiedlichen Produkt-Kategorien, inklusive Kosmetika. Reicht das aus?

Madeleine Drescher: Die Regulierung von bewusst zugesetztem Mikroplastik ist ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig betrifft sie nur einen kleinen Teil des gesamten Problems.

Der größte Anteil des Mikroplastiks entsteht durch Reifenabrieb, Textilien oder den Zerfall größerer Kunststoffprodukte. Solange weltweit große Mengen Kunststoff produziert werden, wird auch Mikroplastik entstehen.

Deshalb braucht es aus unserer Sicht langfristig Maßnahmen, die bereits bei der Produktion und beim Verbrauch von Kunststoffen ansetzen.

Was können Konsument:innen tun, die auf der sicheren Seite sein möchten?

Madeleine Drescher: Komplett vermeiden lässt sich Mikroplastik heute kaum noch. Aber man kann bewusste Entscheidungen treffen.

Wir empfehlen beispielsweise Naturkosmetik sowie Produkte mit anerkannten Naturkosmetik-Siegeln. Auch feste Seifen oder feste Shampoos können dabei helfen, Verpackungsmaterial einzusparen. Darüber hinaus sind Refill-Lösungen eine gute Möglichkeit, Kunststoffverbrauch zu reduzieren.

Wichtig ist außerdem, auf Produkte zu achten, die ohne bewusst zugesetztes Mikroplastik auskommen.

Was möchten Sie Konsument:innen zum Abschluss mitgeben?

Madeleine Drescher: Mir ist wichtig zu betonen, dass Mikroplastik kein Problem ist, das allein durch individuelle Konsumentscheidungen entstanden ist. Es handelt sich um eine gesellschaftliche Herausforderung, die politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Lösungen braucht.

Das bedeutet aber nicht, dass Konsument:innen keinen Einfluss haben. Bewusste Kaufentscheidungen können nachhaltigere Alternativen stärken und Unternehmen dabei unterstützen, innovative und ressourcenschonendere Produkte anzubieten.


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